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[Vorlesung] Metropolianische Kultur - Religionslose Gesellschaft
#1
Am Freitag hielt Smithcombe die einleitende Vorlesung über den metropolianischen Atheismus.

"Die metropolianische Gesellschaft ist von Grund auf atheistisch. Dies hängt mit dem Heiligen Krieg, der vor etwa 500 Jahren im heutigen Metropolis geführt wurde zusammen. 526 Metropolianer starben bei dem Massaker von Rivertown, wie der Volksmund die Vernichtung der St... des Dorfes nennt, was der entsceidene Punkt war, an dem es keine Rückkehr mehr gab.

Doch der Atheismus geht viel weiter zurück. Aktuell geht die Geschichts- und Kulturwissenschaft davon aus, dass die frühen Metropolianer ein polytheistisches Glaubenssystem hatten. Es soll sich wohl in der Bronzezeit entwickelt haben, mit fortschreitender Zivilisierung der metropolianischen Volksgruppen, wurde mehr über ihren Glauben festgehalten. Nach dem künstlichen Untergang der großen Stadt, die wir heute Metropolis nennen und nach der der heutige Staat benannt ist, gingen auch die meisten Aufzeichnungen und Artefakte der Religion unter.

Den Untergang der großen Stadt datieren wir auf etwa 200 vor der christlichen Zeitrechnung. In den folgenden Jahren wurde erstaunlich wenig über die religösen Praktiken der einzelnen dreizehn Städte festgehalten. Mit jedem Jahrzehnt wurde weniger über die Götter und ihre Riten berichtet und über die Priester und die Gläubigen überliefert. Die Sagenschriften, die Literatur und Künste stellten die Götter vermehrt in einer abstrakten Form da. Sie wurden zu Ideen und Konzepten umgewandelt, künstlerisch idealisiert und entfernten sich von den tatsächlichen religösen Figuren.

Gegen das Jahr 300 christlicher Zeitrechnung, wurde die Religion institutionalisiert. Es gründete sich die metropolianische Version einer Kirche, ihre Aufzeichnungen wurden vor gerade einmal drei Jahren gefunden. Sie fand außerhalb ihrer eigenen Archive kaum Erwähnung, weshalb sie für die Geschichtswissenschaft lange ein Mysterium blieb. In einem langen Prozess einigte sie die einzelnen Kulte und Lehren und die Mitgliederzahl sieht tatsächlich die kommenden Jahrzehnte wieder an. Nach der Gründung der Kirche konnte man eine Verbreitung von ca. 53% in der metropolianischen Gesellschaft schätzen, besonders unter den weniger gebildeten Teilen der Bevölkerung verankerte sich in den kommenden Jahrzehnten der Glaube.

Zweihundert Jahre später endete die Hochzeit der Kirche, nach Konflikten mit dem Städterat über Grundrechte und die Behandlung von Tieren sank die Anzahl rapide, da die Stadtregierungen gegen die Kirchen vorgingen. Mitte des 6. Jahrhunderts war die Zahl der Gläubigen auf 35% der Bevölkerung zurückgegangen.

Im 8. Jahrhundert kam es zum internen Streit zwischen den Erzkonservativen und den Reformern in der Kirche. Die Städte griffen ein, um selbst religöse Reformpolitiken durchzusetzen und bekämpfte die extremistischen Gruppen. Die Zahl der Gläubigen ging nach Massenaustritten auf ca. 20% zurück.

Als im 15. Jahrhundert die beiden ausländischen Religonen Metropolis als ihr Schlachtfeld auswählten, waren gerade mal 3% der Bevölkerung noch Gläubig. Die rasanten Fortschritte in der Wissenschaft, eine progressive und solidarische Gesellschaftsordnung und der gewachsene metropolianische Sozialismus sorgten dafür, dass 97% der Bevölkerung sich aktiv als atheistisch beschrieb. Nach Ende des Krieges verlieben nur noch 0,53% der Bevölkerung in der Kirche, eine kleine, dreistellige Bevölkerungszahl. Bis in 50 Jahren wurde dir Kirche aufgelöst und starb eines stummen Todes, mit ihr die einzige Religion, die nach dem Krieg legal in Metropolis agieren durfte. Zehn Jahre nach Auflösung der Kirche wurde auch das metropolianische Heidentum verboten.

Der metropolianische Atheismus wurzelt also sehr Tief."
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#2
Sitzt im Hörsaal und hört aufmerksam zu...
Δοκεῖ δέ μοι καὶ Ιςλαμόνα μὴ εἶναι
Dozent für ladinische Geschichte
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#3
"Gibt es soweit Fragen?"
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#4
Meldet sich zu Wort.

"Sagen wir, ich findes es erstaunlich, wie viel Mühenaufgebracht werden muss, um die normative Kraft der Religion aufzuheben. Ein atheistisches Ladinien vermag ich mir hingegen nicht vorzustellen."
Δοκεῖ δέ μοι καὶ Ιςλαμόνα μὴ εἶναι
Dozent für ladinische Geschichte
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#5
"Nun, diese normative Kraft ist, aus meiner Sicht, stark in Frage zu stellen. Diese Sicht ist, wohlgemerkt, aus der metropolianischen Gesellschaft erwachsen.

Nehmen wir das Christentum als Beispiel: Es ist in großen Teilen der Welt ein typisches Beispiel für eine Religion, die sich durch Neuinterpretation und Neudefinition klaghaft versucht in der Moderne zu halten.

Das biblische Frauenbild zum Beispiel stellt die Frau als dem Mann untergeordnetes Wesen dar. Homo-, Trans- und Intersexualität sind ebenfalls Themen, in denen man die Bibel lieber nicht wörtlich auslegen sollte.

Ich halte dem Christentum sehr zugute, dass man versucht mit der Zeit und den neuen, sä­ku­lar-humanistischen Werten der Gesellschaft mitzugehen, aber man verfällt dann oft in Ro­si­nen­pi­cke­rei und ignoriert große Teile der Bibel, oder man versucht ganze Absätze so stark umzuinterpretieren, sodass sie kaum mehr etwas mit dem Original gemein haben. Die modernen Unitarier haben bereits verstanden, dass das Christentum eines Upgrades bedarf und entsprechende Schritte unternommen, entsprechende Anpassungen und Neufassungen der Lehren und Grundsätze vorgenommen und doch den Mantel des Christentums noch behalten.

Die freie, weltliche, philosophische Ethik bestimmt die Werte der heutigen Zeit, seit weit über 500 Jahren gibt sie die Werte und Grundsätze der metropolianischen Gesellschaft vor und sie befinden sich in einem konstanten Wandel, der gesellschaftliche Wandel und Fortschritt führt zwangsläufig zu einem Wandel der gesellschaftlichen Normen und Werte. Die Normative Kraft liegt in der Gesellschaft selbst, nicht ihren Konstrukten und Erfindungen. Das haben die Metropolianer sehr früh begriffen und entsprechend auch angewandt."
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#6
"Vergebt mir meine Dummheit. Aber eine Welt ohne jegliche göttliche Kräfte vermag mich mir in meiner Dummheit nicht einmal ansatzweise vorzustellen."

Handlung:
Und aus seinen Worten spricht eicht ein gewisser Zorn!
Δοκεῖ δέ μοι καὶ Ιςλαμόνα μὴ εἶναι
Dozent für ladinische Geschichte
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